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Schönste Stadt der Welt mit Luft nach oben

Entsorgungsfachbetrieb, zertifiziert für das Sammeln, Befördern, Lagern, Behandeln und Verwerten von Abfällen – so lautet die offizielle Bezeichnung der Anstalt des öffentlichen Rechts. Wofür die Stadtreinigung darüber hinaus verantwortlich ist, welche Ziele sie verfolgt und mit welchen Mitteln sie dies erreicht, das hat uns Kay Goetze, Leiter Unternehmenskommunikation und Pressesprecher der Stadtreinigung Hamburg, im Interview erzählt.

WAKE UP: Die Stadtreinigung Hamburg – was gehört dazu und was sind ihre Aufgaben?

Goetze: Die Stadtreinigung ist Hamburgs größter Dienstleister im Bereich der Abfall- und Ressourcenwirtschaft. Mit rund 4.000 Mitarbeiter*innen im SRH-Konzern bietet sie als Full-Service-Partner im öffentlichen, gewerblichen und privaten Auftrag Wertstofferfassung und Abfallentsorgung sowie Reinigungsleistungen aus einer Hand. Als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger und zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb sammelt, transportiert, lagert und behandelt die Stadtreinigung die Abfälle aus rund 1.000.000 Hamburger Privathaushalten und 100.000 Gewerbebetrieben. Darüber hinaus reinigen die Mitarbeiter*innen der SRH pro Woche 5.849 km Fahrbahnen, 5.516 km Gehwege und kümmern sich um die Sauberkeit von Grünflächen, Parks und öffentlichen Spielplätzen in Hamburg.

WAKE UP: Ihre Kampagne um die Müll-Slogans auf den öffentlich genutzten Mülleimern ist einmalig. Wie zufrieden sind Sie mit dieser Kampagne?

Goetze: Die Kampagne mit den Sprüchen auf den Papierkörben ist immer noch der Renner. Es gibt diese bereits seit 2004 in Hamburg und es werden sukzessive mehr dieser „Sprücheklopfer“ Aktuell haben wir rund 18.000 Papierkörbe in ganz Hamburg aufgestellt. Viele anderen Städte, Gemeinden und Kommunen in Deutschland haben die Idee bereits übernommen – weil sie funktioniert!

WAKE UP: Der Umgang mit Müll in der Großstadt ist eine herausfordernde Sache. Beeinflusst die neue Situation mit Corona die urbane Verschmutzung?

Goetze: Wir haben während Corona – insbesondere während des Lockdowns – vor allem eine Zunahme von Wertstoffen in den gelben Säcken und der gelben Hamburger Wertstofftonne festgestellt. Im März hatten wir z.B. eine Zunahme von rund 9%. Beim Restmüll waren die Mengen aus den Haushalten ebenfalls erhöht. Jedoch gingen die Mengen im Gewerbeabfall coronabedingt entsprechend zurück. Die Schließung der Gastronomie und eine geringere Tätigkeit in Gewerbebetrieben haben die Mengen dort stark zurückgehen lassen. Man kann hier von einer nahezu ausgleichenden Wirkung sprechen. Bei Papier, Pappe, Karton gab es durch den noch stärker gewordenen Onlinehandel eine Zunahme. Das konnte im Peak besonders an den überfüllten Altpapiercontainern festgestellt werden. Mit Einführung der Maskenpflicht und den Lockerungen des öffentlichen Lebens haben wir vermehrt Einwegmasken entlang von Wegen, Straßen, in Parks und Grünanlagen gefunden. Das war ein unerfreulicher Effekt der Lockerungen. Durch das lang andauernde, schöne Wetter und die eingeschränkten Reisemöglichkeiten waren viele Menschen oftmals und viel mehr im Freien. Das hatte zur Folge, dass der allgemeine Konsum sich ebenfalls nach draußen verlegt hat und dort häufig der Abfall liegen gelassen wurde nach Picknick, Grillabend und Ausflug.

WAKE UP: Was kann die/ der Einzelne zur Verbesserung beitragen?

Goetze: Die Menschen könnten insgesamt etwas umweltbewusster handeln und ihren Müll, für den sie verantwortlich sind, wieder mitnehmen. Auch oder insbesondere dann, wenn die aufgestellten Papierkörbe bereits überfüllt sind. Die Stadtreinigung ist an den Hotspots täglich und mehrfach vor Ort um Papierkörbe zu leeren und die Plätze zu reinigen. Dennoch geht es nur gemeinsam. Dass sich Recycling lohnt, hat Hamburgs Wertstoff-Innovative gerade gezeigt. Aus Hamburger Kunststoffabfällen aus der gelben Tonne bzw. dem gelben Sack wurde ein lokal geschlossener Wertstoffkreislauf. SRH war einer von fünf Partnern hierbei. Nun stehen die Waschmittelflaschen im Handel. Siehe Website www.hamburgs-wertstoff-innovative.de !



WAKE UP: Hilft Mülltrennung und/ oder Müllvermeidung?

Goetze: Grundsätzlich gilt: Abfallvermeidung steht ganz oben in der Abfallhierarchie und sollte möglichst der erste Gedanke der Bürgerinnen und Bürger sein. Dann ist das Recycling natürlich ein wichtiges Thema. Hier gilt: Je besser getrennt wird, desto mehr Wertstoffe bleiben im Kreislauf und können der Wiederverwendung zugeführt werden. Für abfallarmes bzw. abfallfreies Einkaufen hat die SRH letztes Jahr die sogenannte Zero Waste Map (App) entwickelt.

Dort findet man mittlerweile mehr als 300 gelistete Hotspots, um dem Wunsch nach unverpacktem Einkauf bzw. nachhaltigerem Leben nachzukommen.

Die App ist kostenlos und werbefrei und erfreut sich steigender Beliebtheit. Aktiv mitmachen können die Hamburger*innen auch beim Thema Stadtsauberkeit. Neben dem Wegräumen des Mülls nach Freizeitaktivitäten können auch entdeckte Verschmutzung mithilfe der SRH-App mit einem Klick gemeldet werden: Einfach Foto machen, abschicken und fertig. Als weitere Hilfestellung für Verbraucher haben wir zusammen mit der TUHH den Einkaufsguide „Verpackungen“ erstellt. Dort werden mithilfe eines Ampelsystems die guten von den weniger guten Verpackungen unterschieden.


WAKE UP: Trends: Was halten Sie von neuen Trends wie privat organisierten Clean Ups und Unverpackt-Stores?

Goetze: Grundsätzlich finden wir jede Bemühung zum Thema Umwelt- und Klimaschutz und der aktiven Hilfe die Stadt noch sauberer und lebenswerter zu machen gut. Mit unserer jährlichen Stadtputzaktion „Hamburg räumt auf!“ brechen wir Jahr für Jahr Rekorde und waren in 2019 mit über 80.000 Teilnehmer*innen überwältigt von der Bereitschaft der Menschen. Wir sind uns sicher, dass wir auch in diesem Jahr wieder solche Zahlen erreicht hätten. Leider kam uns Corona und die Absage des Events dazwischen. Wir lagen auch in diesem Jahr wieder auf Rekordkurs. Wir unterstützen auch immer mal wieder einige der Clean Ups auch außerhalb von „Hamburg räumt auf!“ bei ihren Aktivitäten. Das ist aber immer auch eine Frage von Ressourcen und deshalb entscheiden wir da individuell. Und übrigens: Die Hamburger Unverpackt-Stores sind natürlich auch in der App Zero Waste Map gelistet.

WAKE UP: Sie haben einen Wunsch frei: Was nimmt die Gesellschaft aus der aktuellen

Lage mit?

Goetze: Ich würde mir wünschen, dass die Menschen ihre Rücksicht und den Schutz untereinander (Corona-Maßnahmen wie das Tragen von Masken) auch auf die Stadtsauberkeit und den Umwelt- und Klimaschutz überträgt. Viele tun dies schon und genau deshalb wird Hamburg ja auch oft als die „schönste Stadt der Welt“ bezeichnet, aber Luft nach oben gibt es bekanntlich immer. Aus meiner Sicht ist es eine Frage des Bewusstseins, wie ich mit meiner Umgebung umgehe.

Links

Tipps, Termine und Dienstleistungen rund um die Abfallentsorgung in Hamburg unter:

http://www.stadtreinigung.hamburg

Aktuelle Informationen der Stadtreinigung Hamburg durch den E-Mail-Newsletter:

http://www.srhh.de/srhh/servlet/NewsletterLogonServlet.do

Apps: https://www.stadtreinigung.hamburg/privatkunden/app/

Einkaufsguide: https://www.stadtreinigung.hamburg/einkaufsguide/#0

Mehr über die Historie der Hamburger Stadtreinigung unter:

https://www.stadtreinigung.hamburg/ueberuns/unternehmen/geschichte/

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2021
Hamburg, Heiligengeistfeld

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